Essstörung – B wie Bäcker

In den letzten Wochen schrieb ich nicht gezielt über das Thema Essstörungen. Aber dennoch berichtete ich offen über das, was ich denke, empfinde und fühle. Beim Schreiben meiner Blog-Serie “Ressourcen stärken #1-13”, veränderte sich etwas in meinem Berufsalltag. Und das ist irgendwie skurril, denn es hat was mit einst verbotenen Lebensmitteln zu tun.

Meine berufliche Veränderung

Seit ein paar Wochen arbeite ich in einer regionalen Bäckereikette als Verkäuferin auf Minijobbasis. Nicht jeden Tag, höchstens 3 Tage die Woche. Trotz inaktiver Essstörung war das für mich kein Grund, näher darüber nachzudenken, ob eine solche Tätigkeit mit meiner Vorgeschichte überhaupt vereinbar ist.

Bis mich Mia von Mias Anker fragte, wie ich mich in dem Job fühle. Bezogen auf die u. a. verführerischen süßen Sachen, die ich mir in meiner aktiven Essstörungszeit in Unmengen reinschob oder auf die ich komplett verzichtete.

Und soll ich dir mal was sagen? Mir ist das vollkommen egal. Ich habe weder ein schlechtes Gefühl, wenn ich die Bäckerprodukte sehe und rieche, noch macht sich ein Suchtdruck in mir breit. Nichts, gar nichts…

Es ist für mich, als würde ich Schreibwaren verkaufen. Jedes Produkt mit seinen Kalorien ist mir vollkommen egal. Ich mache meinen Job. Nicht mehr und nicht weniger.

Im Gespräch

Wenn ich so darüber nachdenke, ist das krass. Bei meiner Bewerbung und in den Gesprächen machte ich aus meiner inaktiven Magersucht kein Geheimnis. Schon allein, weil ich medial mit der Prävention verknüpft bin.

Mein neuer Arbeitgeber verstand aber nicht wirklich, was ich erzähl(t)e. Auch meine neuen Kolleginnen konnten mit dem Thema größtenteils nichts anfangen. Keiner stellte mir die Frage, die mir Mia stellte. Danke an dieser Stelle. Smiley

Jetzt gehe ich ab und an zur Schicht, als sei es das Normalste auf der Welt. Und ja, Essen ist das Normalste auf der Welt. Und auch Essstörungen sind irgendwie das Normalste in der vermehrt wohlhabenden Welt. Leider …

Meine Kundschaft

Meine Kunden erkennen mich nicht. Ich bin ja auch keine berühmte Persönlichkeit. Zwinkerndes Smiley Was mir aber auffällt ist, dass ein Großteil der Frauen jeglichen Alters Kalorien kritisch betrachten. Ganz oft höre ich in den unterschiedlichsten Varianten: “Das ist nicht gut für meine Figur!”

Eine Kundin bspw. kaufte ein Vollkornbrot nur deshalb, weil sie einen Bericht im TV sah, der Vollkornprodukte in den Himmel lobte. Ich biss mir auf die Zunge, denn mir als Verkäuferin darf nichts anderes, als: “Sehr gern! Was möchten Sie außerdem?” über die Lippen kommen.

Meine Arbeit

Mir macht das Verkaufen wiedererwarten richtig Spaß. Jeder Kunde ist verschieden und so langsam habe ich Routine in dem, was ich tue. Ich bekomme viele Lächeln in einer Schicht geschenkt. Auch erhalte ich sofort eine Bestätigung für das, was ich tue. Mein Ego braucht das gerade. Smiley

Mittlerweile erkenne ich sogar die Stammkunden. Zu Beginn meiner Tätigkeit hatte ich das Gefühl, es kommen nur 2 Kunden (eine Frau/ein Mann) zu mir. Das aber 500 x pro Tag. Ich konnte die Gesichter überhaupt nicht auseinanderhalten. Smiley

Meine Ohren spielen mir gelegentlich auch einen Streich. Letztens verlangte ein Kunde 2 “Waldfruchtschnitten”. Ich stutzte, um die gehörten Worte einem Produkt zuzuordnen, was wir wirklich verkaufen. Ich sorgte damit für einen herzhaften Lacher vor und hinter der Theke. Ich verstand nämlich “2 x Weißwurst”. Seitdem hat die Waldfruchtschnitte einen Spitznamen. Zwinkerndes Smiley

Die Veränderung in meinem Berufsleben zieht natürlich ein paar größere Kreise. Davon berichte ich dir aber nächste Woche. Smiley

Happy Kalorie

Anmerkung

Hierbei handelt es sich um meine persönliche Erfahrung bzw. meine persönliche Sicht der Dinge. Bitte schließe NICHT von mir auf andere. Von einer Generalisierung nehme ich großen Abstand. Meine Erlebnisse nutze ich rein zu präventiven Zwecken, NICHT um ein solches Suchtverhalten vorzuleben.

PS: Das PräventionsbuchEssstörungen – Was ist dasist im Handel erhältlich.

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