Essstörungen – H wie Hilfe, #1

Wer an einer Essstörung leidet, braucht Hilfe. Doch nicht nur die Betroffenen selbst, auch das soziale Umfeld. Es gibt so viele Fragen und noch mehr Antworten. Wer beachtet mich? Wer glaubt mir? Wo kann ich mich hinwenden? Wer steht mir bei? HILFE! Was soll ich bloß tun?!

Regionale Unterschiede

Ich wohne im Erzgebirge. Fern ab vom Schuss. Feld, Wald, Wiese – quasi so knapp hinterm Mond. Aber WLAN und Handynetz funktioniert. Zwinkerndes Smiley
Anlaufstellen für Suchterkrankungen gibt es in der näheren Umgebung schon, aber keine aktive Hilfe im Bereich Essstörungen.

In anderen Bundesländern sieht es deutlich besser aus. Es gibt Vereine, Fachärzte und Fachkliniken, die sich der Problematik angenommen haben.
In diesem Blogbeitrag thematisiere ich Haus-/Kinderarzt und Therapie.

1. Schritt – Haus-/Kinderarzt

Was ich immer rate, ist mit dem Thema Essstörung zum Haus-/Kinderarzt zu gehen. Eine körperliche Untersuchung zeigt, ob es bereits gesundheitliche Beeinträchtigungen gibt, die eine ärztliche Behandlung benötigen.
Frauen und jungen Mädchen sind zusätzlich bei einem Gynäkologen gut aufgehoben.

Als Eltern von Minderjährigen ist es (oft) wichtig, dass diese den Verdacht einer Essstörung klar und verstärkt äußern. Nicht selten, werden erste Indizien auf die Pubertät geschoben. Natürlich kann das sein, aber so natürlich kann auch das Gegenteilige sein.

2. Schritt – Therapie

Therapie ist ein großes schweres Wort. Sehr viele scheuen sich, den Gedanken an eine Therapie an sich heranzulassen. Vollkommen verständlich, denn viele Jahre verband man mit Therapie den Seelenklempner, zu dem nur schwache Menschen mit einem Dachschaden gehen. Doch diese Ansicht ist vollkommener Blödsinn – damals wie heute. Sich helfen zu lassen, ist nie eine Schande.

Es gibt:

2.1 Stationäre Therapie

Hierbei handelt es sich um einen ganztägigen Aufenthalt in einer Klinik. Ein Minimum von 6 Wochen in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie bzw. für Volljährige in einer Psychosomatischen Klinik oder in einer Klinik, die sich auf Essstörungen spezialisiert hat, wird meist angesetzt. Stelle dich aber bitte auf (lange) Wartezeiten ein.

Bei einigen Kliniken ist auf den BMI-Wert zu achten. Unter einem BMI von 13 wird es sehr schwer, einen stationären Therapieplatz zu bekommen. Die gesundheitlichen Risiken sind sehr hoch. Im Akutfall bitte das nächstgelegene Krankenhaus – Notaufnahme – aufsuchen.

Kliniken für Essstörungen – Adressverzeichnis

2.2 Teilstationäre Therapie

Eine Therapie in einer Tagesklinik, fällt bspw. darunter. Die Patienten sind von morgens bis nachmittags unter ärztlicher/therapeutischer Aufsicht. Verschiedene Therapieangebote werden individuell in der Gruppe und/oder einzeln durchgeführt. Der Zeitraum ist von vielen Faktoren abhängig. Stelle dich aber bitte auf (lange) Wartezeiten ein.

Es gibt auch Tageskliniken für Minderjährige.

Asklepios Tagesklinik – Hamburg
Tagesklinik für Kinder – Rodewisch

Eine Auflistung bzw. ein Adressverzeichnis habe ich im Netz leider nicht gefunden.

2.3 Ambulante Therapie

Bei einem Psychotherapeuten, Verhaltenstherapeuten oder Psychiater findet eine sogenannte Gesprächstherapie statt. Eine Sitzung ist ca. 50 Minuten lang.

Es ist sehr schwierig, einen geeigneten Therapeuten zu finden. Einerseits muss die zwischenmenschliche Chemie passen und anderseits spielt vor allem bei der Magersucht das Gewicht eine Rolle. Viele Therapeuten legen ein Gewicht (Minimum BMI von 15) fest, welches nicht unterschritten werden darf.

Besteht bereits massives Untergewicht, nimmt dieser den Patienten ambulant gar nicht erst auf. Die Stabilität des Körpergewichts – in Hinblick auf die gesundheitlichen Folgeerscheinungen, kann ein ambulanter Therapeut nicht stemmen. In dem Fall ist immer das nächstgelegene Krankenhaus zur körperlichen Stabilisierung aufzusuchen.

Therapeuten findest du über die gezielte Suche im Netz. Die Website der kassenärztlichen Vereinigungen jedes Bundeslandes helfen dir bei der konkreten Suche. Du kannst auch deinen Haus- bzw. Kinderarzt oder deine Krankenkasse fragen, ob sie dir weiterhelfen oder gar einen Kontakt vermitteln kann. Stelle dich aber bitte auf (lange) Wartezeiten ein.

Kassenärztliche Vereinigung Sachsen – Arztsuche

2.4 Wohngruppen

Es gibt auch therapeutische Wohngruppen.

Bsp.: Therapienetz Essstörung e.V. Beratungsstelle(n) – Therapeutische Wohngruppen – Vernetzte Versorgung (IGV) – Einzelbetreutes Wohnen – München

!!! Im Notfall – IMMER !!!

… (Suizidgefahr, körperlicher Kollaps etc.) suche bitte das nächste Krankenhaus auf. Zwangseinweisungen sind bei Minderjährigen durch Eltern – in Absprache mit einem Psychiater – möglich.

Bei Erwachsenen ist es schwieriger. Der Sozialpsychiatrische Dienst des jeweiligen Krankenhause kann einen zwangsweise stationären Aufenthalt in die Wege leiten.

Ausblick

Nächste Woche gehe ich intensiver auf Selbsthilfegruppen, weitere online/offline Hilfestellen und bestimmte Vereine ein, die dir im Falle eines Falles helfen können.

Abschließend

Es gibt nicht den einen Weg aus der Essstörung heraus. Auch gibt es nicht die Sicherheit, dass eine Therapieform sofort anschlägt. Eine Therapie gibt des Weiteren auch keine Auskunft, ob der essgestörte Kreislauf dauerhaft unterbrochen wurde. Aber eine Therapie jedwelcher Art kann zur körperlichen und psychischen Stabilsierung ein guter Anfang sein.

Scheue dich (als Betroffener und Angehöriger) bitte nicht, mit einem Arzt über deine Problematiken zu reden.

Happy Kalorie

Meine Auflistungen sind nicht vollständig und ohne Gewähr. Für die Inhalte der verlinkten Websiten sind die jeweiligen Seitenbetreiber zuständig. Neben den vorgestellten Anlaufstellen, kannst du auch jederzeit bei deiner Krankenkasse nachfragen, welche regionalen Möglichkeiten dir zur Verfügung stehen.

PS: Das PräventionsbuchEssstörungen – Was ist dasist im Handel erhältlich. Smiley

Folie1

PPS: Happy Kalorie ist auch auf Facebook, Instagram und YouTube aktiv.

5 Gedanken zu “Essstörungen – H wie Hilfe, #1

  1. Ich finde es toll einmal alle Möglichkeiten aufzulisten, die es gibt! Eigentlich sollten solche Flyer in jeder Schule an jeden Schüler bzw. auch an die Eltern ausgeteilt werden. Denn leider weiß man viel zu oft nicht, wo man sich Hilfe suchen kann, wenn es brennt!

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