Essstörungen – A wie abwarten

Wenn ich das Aufkeimen einer Erkältung in mir verspüre, warte ich ab, bevor ich aktiv werde. Wenn mich (wie letztens) ein ungutes Gefühl im Auge quält, warte ich eine eventuelle Verschlimmerung ab, bevor ich zum Arzt gehe. Wenn sonst etwas Ungewohntes in mir vorgeht = ich warte ab. Ich warte in der penetranten Hoffnung ab, dass das Unschöne von ganz allein wieder verschwindet.

Tja, das Abwarten hätte mich mal fast das Leben gekostet. Dennoch steckt das Abwarten tief in mir drin. Denn ich will nicht täglich jammernd in einer anderen Arztpraxis sitzen. “Ach, das wird schon wieder!”, beruhige ich mich gern in solchen Momenten.

Wirklich krank oder Simulant

Jeder hat in einem solchen Fall seine eigene Herangehensweise. Jeder geht mit Erkrankungen anders um. Ich tue mich nach wie vor sehr schwer, mit Wehwehchen zum Arzt zu gehen. Vor allem mit denen, die äußerlich nicht zu erkennen sind.

Warum eigentlich?

Weil ich Angst habe, als Simulant dargestellt zu werden. Auch hier schöpft meine Einbildung aus einem eigenen – reichlich gefüllten – Erfahrungsschatz.

Ungehört und ignoriert

Doch was passiert, wenn man sich selbst nicht beachtet? Oder was kann passieren, wenn medizinisches Fachpersonal einem nicht glaubt? Richtig, die notwendige Hilfe verzögert sich. Schlimmstenfalls bis hin zu einem Zeitpunkt, in dem eine “Heilung” gar nicht mehr so einfach ist.

Ich hatte bis dato Glück. Immer noch rechtzeitig konnte mir geholfen werden. In solchen Augenblicken schwöre ich mir, beim nächsten körperlichen Akutfall achtsamer mit mir zu sein. Ich gebe es unumwunden zu. Das gelingt mir nicht immer.

“Jammere nicht!”
Oder …
“Stell dich nicht so an!”, erwidert mir mein Unterbewusstsein gern in einer Strenge, die keine Widerworte dulden.

Abwarten bei Essstörungen

… kann tödlich enden. Leider ist unser Gesundheitssystem auf das Abwarten programmiert. Psychische Erkrankungen nehmen stetig zu. Die notwendigen Hilfsangebote – ohne monatelanger Wartezeiten – werden dagegen im gleichen Trendverlauf immer weniger.

Dazu kommt, dass viele Ärzte die Schwere einer beginnenden psychischen Erkrankung gar nicht wahrnehmen (können). Bei Kindern und Jugendlichen steht die Pubertät dazwischen, die gern und häufig als Rechtfertigung für das Abwarten genutzt wird.

Wie lange darf abgewartet werden?

  • 24 Stunden?
  • Eine Woche?
  • 2 Monate?
  • Ein halbes Jahr?

Umso wichtiger wird

… die Aufklärungsarbeit im VORFELD –> BEVOR das sprichwörtliche Kind in den besagten Brunnen fällt. Besonders im Bereich psychischer Erkrankungen wie Depressionen, Zwangserkrankungen und auch Essstörungen (Magersucht, Ess-Brech-Sucht, Essanfallstörung) gibt es einen sehr hohen Bedarf an Aufklärung. Zusätzlich bedarf es aber auch einen langen präventiven Atmen.

Nicht abwarten

…, sondern werdet (= Eltern, Familie, Lehrpersonal, Freunde, Bekannte, man selbst, Arbeitskollegen, Großeltern etc.) BITTE aktiv.

Aktiv im Sinne, sich vorher …

  • über mögliche Anzeichen einer psychischen Erkrankung unverbindlich zu informieren.
  • einen Moment Zeit zu nehmen, um sich mit dem Themengebiet unverbindlich zu befassen.
  • mal unverbindlich den einen oder anderen Gedanken über seine eigene Wahrnehmung zu machen.
  • etc.

Je eher desto besser

Je eher psychische Erkrankungen erkannt, desto eher kann geholfen werden. Noch besser ist, mit diesem Wissen eine (mögliche) Erkrankung vorzubeugen.

Wer erste kleine Anzeichen erkennt, kann diese empathisch und gezielt ansprechen. Nicht immer muss aus einem Missverständnis, Trauma oder einem anderen Schlüsselerlebnis eine seelische Erkrankung entstehen. Dennoch –> Abwarten kann den Hilfeprozess deutlich verlangsamen.

Nächste Woche werde ich in meinem Beitrag gezielt auf Hilfemöglichkeiten eingehen. Bis dahin, komm gut durch die Zeit. Smiley

Happy Kalorie

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2 Gedanken zu “Essstörungen – A wie abwarten

  1. Ich bin da ganz bei dir. Abwarten kann für bestimmte Lebensprozesse fürchterlich enden. Direkte Wahrnehmungen und daraus abgeleitete Hilfe verbunden auch mit Prävention, damit es gar nicht erst nötig wird, dass man helfen muss, sind die Eckpfleiler, die A wie Abwarten zmstoßen. LG Nele

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