Meine essgestörte Sicht der Dinge #4

Forschung wirksamer Therapiemöglichkeiten

Therapie, das Wort weckt viele Gefühle. Von Angst bis abgrundtiefe Ablehnung ist alles und jede nur denkbare Facette dabei. Therapie ist in unseren modernen Welt ein negativ besetzter Begriff, der im Grunde seiner Bedeutung nur positives bewirken soll(te) –> Hilfe aus einer persönlichen Misere.

 

Happy Kalorie

Eins vorweg

Ich betone im Vorfeld, dass ich diesen Artikel nicht schlechtreden möchte. Dieser ist teilweise sehr wissenschaftlich gestrickt und ich bin keine Neurologin oder eine andere medizinische Fachkraft, um das Gegenteil, Ergänzungen oder was weiß ich noch alles beweisen zu können.

Was ich dagegen bin – eine inaktive Magersüchtige, die unzählige Jahre fortwährend magersüchtige, bulimische und Binge Eating Phasen hatte. Ich betrachte den Artikel aus persönlicher Sicht, mit meinen Augen. Nicht mehr und nicht weniger.

Meine Sicht #4 – ambulante und stationäre Therapie

Ich habe beides gemacht, erst 12 Wochen ambulant und im Anschluss 18 Wochen ging ich in eine stationäre Einrichtung, die es heute nicht mehr gibt. So viel dazu, dass es ein flächendeckendes Hilfsangebot für Essstörungen gibt.

Jedenfalls wollte ich beide Therapien. Ich entschied mich bewusst dafür, weil ich ein Leben mit meiner bulimischen Magersucht satt hatte. Die therapeutischen Ansätze waren bei beiden gut. Ich habe mir jeweils das mitgenommen, was mir und meiner Essstörung zuträglich war. Bei beiden redete ich den Leuten nach dem Mund. Ich war ja nicht blöd und ich wollte trotz massiven Untergewichts nicht anecken.

In der ambulanten wie auch stationären Therapie fühlte ich mich wohl. Es war eine geschlossene Welt, die nichts mit der harten Realität gemeinsam hatte. Meine Magersucht war stets an meiner Seite. Ich nahm ambulant ab und stationär wieder zu, trotz täglichem Ausleben meiner Sucht.

Meine – ich betone – meine Essstörung bekam ich durch die Therapie nicht in Griff. Dennoch lernte ich mit meinen Problemen umzugehen bzw. erkannte Verhaltensweisen, die mich im Leben nicht weiterbringen würden. In 30 Wochen wurde ich eine andere Person, die nach der Therapie in ein schwarzes Loch fiel. Ich kam schlicht und ergreifend nicht mit dem Alltag klar. Wie ein Knasti wollte ich am liebsten zurück in die Klinik. Dort befand sich meine heile Welt, trotz Regeln, trotz Sanktionen. Dort war ich jemand, Zuhause nicht.

Es gibt in der Therapie nicht den goldenen Weg. Ich persönlich vertrete den Standpunkt, dass der Fokus viel mehr auf die jeweilige Person gelegt werden sollte. Und was ebenfalls ganz wichtig ist die Integration in den Tagesablauf. Nicht komplett weg und auch nicht komplett da. Beides kann zu unerwünschten Empfindungen führen.

Aber was weiß ich schon?! Ich bin kein Therapeut und kein Arzt. Immer wieder komme ich an den Punkt, dass es sehr schade ist, dass aktive sowie inaktive Betroffene zu selten bis gar nicht ins Behandlungskonzept sowie Erarbeiten neuer Strategien einbezogen werden. Warum nutzt man nicht die Synergieeffekte beider (und noch viel mehr) Gruppen?

Wie siehst du das – als Betroffene/r und nicht Betroffene/r?

Happy Kalorie

PS: Das PräventionsbuchEssstörungen – Was ist dasist im Handel erhältlich. Smiley

Folie1

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PPPS: Quelle des Artikels – DAS GESTÖRTE BILD
https://www.substanzmagazin.de/magersucht-hirnforscher-entwickeln-neue-therapie/

PPPPS: Links zu den vorherigen Sichtweisen

14 Gedanken zu “Meine essgestörte Sicht der Dinge #4

  1. Mal auf den Punkt gefragt: beide Formen der Therapie verfahren anch einem bestimmten Schema, in das der jeweilige Einzelne so gut wie möglich reingedrückt wird?
    Lese ich das richtig raus, im Grunde war für Dich die Sache eher ein Beispiel, wie es nicht sein sollte?

    Die fehlende Synergie ist denke ich auch in anderen Bereichen ein Knackpunkt. Da wird gerne übergestülpt, was Lehrbücher hergeben.

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    • Ja genau… Der Patient wird in ein vorgefertigtes Konzept gepresst. Funktionieren die Therapieansätze nicht, wird oft die Schuld beim Patienten gesucht. Es ist oftmals ein Ablauf eines gleichen/ähnlichen Schemas in vielen Variationen, was Vielfältigkeit vorgaukelt. Therapie ist wichtig, aber bitte in Zusammenarbeit mit dem Patienten. So sehe und empfinde ich das zumindest.
      Lehrbücher sind nicht vollständig und ersetzen keine Menschlichkeit.

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  2. Du hast vollkommen Recht! Den einen Weg gibt es nicht! Als Psychologiestudentin bekomme ich auch immer einen Blick hinter die Kulissen wie eingeschränkt Therapeuten wegen gesetzlicher Vorgaben nur arbeiten dürfen. Offiziell dürfen sie zb nur Therapiemethode X durchführen, Methode Y dürfen sie mit ihrer Ausbildung nicht durchführen – zumindest offiziell. Dabei muss die Behandlung auf den Patienten zugeschnitten sein, nicht auf die Krankenkasse oder dem Gesetzbuch!
    Liebe Grüße, Julia ❤

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    • Und genau an diesem Punkt ist der Hund begraben. Schade, denn es könnte andersherum viel mehr geholfen werden. Zumindest bräuchte man eine Ebene, auf der es wenigstens versucht werden würde. Aber hätte, wäre, wenn … Unser System ist nicht auf Heilung bzw. Hilfe ausgelegt. Ein gesunder Mensch ist keine Einnahmequelle. 🤭🤔😶
      Viele sonnige Grüße 🌞
      Michaela

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    • Da bin ich dabei, ein Konzept auf die Beine zu stellen. Es ist schwierig, mit regionalen Fachleuten ins Gespräch zu kommen. Zum Thema Essstörung sind sehr verhalten und eher inaktiv. Solche Patienten sind bei einigen nicht erwünscht. Persönliche Erfahrung aus einigen Gesprächen in Praxen.

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      • Das wäre mein nächster Schritt. Direkt an die Berufsgruppe von morgen. Ich gebe nicht auf. 2019 habe ich es schon mal in die Volkshochschule geschafft. Schritt für Schritt…
        Einfach ist es nicht, aber auch nicht aussichtslos. 😁

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      • Finde ich gut, bleib am Ball ! – Und öglicherweise findet sich in der Berufsgruppe von heute an der Uni ja auch jemand, durch den das ganze noch ein wenig mehr Fahrt aufnehmen kann?

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      • Genau, es bedarf ein gutes Konzept (was ich ja schon habe) und unvoreingenommene Befürworter und Unterstützer. Ich bin auf alle Fälle von Happy Kalorie überzeugt und ein paar Unterstützer*innen habe ich bereits an meiner Seite. 😁

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