Fehlschlüsse von Menschen mit Essstörungen

– Gastbeitrag von Julia Lebenswelt mit tollem Handlettering am Ende –
Heute erfahrt ausnahmsweise mal nichts von meinen präventiven Gedankengängen. Zwinkerndes Smiley Trotzdem lohnt sich das Lesen meines heutigen Artikels, der von Julia Lebenswelt verfasst wurde. Nehme dir bitte kurz Zeit für das wichtige Thema Essstörung, für das nicht nur ich in präventiver Hinsicht brenne.

Fehlschlüsse von Menschen mit Essstörungen

Hi, ich bin Julia vom Blog Lebenswelt. Die liebe Michaela hat mir erlaubt auf ihrem Blog einen kleinen Gastbeitrag zu schreiben und als jemand der mehr als genug Erfahrungen mit Essstörungen hat, lasse ich mir das natürlich nicht zweimal sagen.

Ich hab mich heute mal dazu entschieden einige meiner Fehlannahmen, die ich während meiner Essstörung hatte, mit euch zu teilen:

  1. „Ich muss komplett gesund werden, sonst fang ich gar nicht an.“

Oft hatte ich mit solchen Gedanken zu kämpfen. Warum sollte ich mich überhaupt anstrengen, wenn mir immer wieder gesagt wird, dass man eine Essstörung sowieso nie zu 100% überwinden kann. Lasst mich euch sagen: Ein Leben mit ein bisschen Essstörung ist bereits so viel besser, als ein Leben mit einer voll ausgeprägten Essstörung!

  1. „Andere machen mich schon gesund.“

So habe ich lange gedacht. Ich gehe in eine Klinik oder zum Therapeuten und die machen mich schon gesund. Und wenn nicht, dann ist das deren Schuld, dann sind sie nicht kompetent genug. So läuft das leider nicht! Die Therapeuten geben den Weg vor, gehen muss man ihn selber.

  1. „Ich bin Opfer meiner Essstörung.“

Ähnlich wie bei Punkt zwei habe ich auch hier versucht die Verantwortung für mich selbst abzugeben. Meistens passieren Essstörungen so schnell, dass man selbst nicht weiß wie einem geschieht. Umso mehr ist man für sich selbst verantwortlich sich da wieder rauszukämpfen. Absolute Voraussetzung: Man will gesund werden!

  1. „Die haben doch alle keine Ahnung!“

Diesen Vorwurf traf eigentlich jeden, der keine Essstörung hatte und versuchte mir zu helfen. Es stimmt schon, dass sie vermutlich nie genau wissen werden wie es im Kopf einer Essgestörten aussieht, aber auch ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen wie es ist schizophren zu sein. Trotzdem kann ich Betroffenen Empathie entgegen bringen und versuchen es zu verstehen. Die meisten Menschen wollen dir nur helfen. Die wenigsten wissen wie.

  1. „Ich esse doch, also ist alles gut.“

Auch, wenn von außen gesehen niemals jemand denken würde, dass ich eine Essstörung habe, gibt es in meinem Kopf regelmäßig Tohuwabohu beim Thema Essen. Dieser Satz ist vor allem zu Beginn meiner Erkrankung häufig gefallen, wo ich noch wenig Ahnung, geschweige denn Einsicht hatte.

Kurz noch zum Abschluss

Jede Essstörung ist anders und individuell. Meine Fehlschlüsse sind nicht die Fehlschlüsse eines anderen. Das sind allein meine Erfahrungen, von welchen ich aber trotzdem denke, dass sich der ein oder andere Betroffene damit identifizieren kann.
Passt auf euch auf!

Alles Liebe
Julia Lebenswelt

Essstörung – meine Leidenschaft

Du als regelmäßiger Leser wirst mittlerweile wissen, dass ich selbst viele Jahre an Essstörungen litt. Genauer gesagt, war ich der bulimischen Form der Magersucht verfallen. Aktuell befinde ich mich in meinem 6. essstörungsfreiem Jahr. Das Gefühl, dass ich den Kampf gewonnen habe, ist toll. Aber leider nicht selbstverständlich.
Die Gesellschaft registriert zwar Essstörungen, aber wirklich etwas darüber wissen wollen die wenigstens. DENN, es besteht der Glaube, bereits genug (durch die Medien) darüber zu wissen. Woher weißt du, dass das alles stimmt, was über Essstörungen berichtet wird? Die Politik zweifelt fast jeder an. Ist das auch bei diesem Thema der Fall?
Es sterben immer mehr Menschen an den Folgen dieser fiesen Sucht, zu der nicht nur die Magersucht gehört.
Auch wenn du nicht unmittelbar betroffen bist, geht es dich etwas an. Essstörungen siehst du nicht auf den ersten Blick. Wenn du es bemerkst, hat die heimliche und schambesetzte Essstörung bereits das Zepter übernommen.

Deine Meinung

Mich interessiert auch deine Meinung. Wenn du magst, hinterlasse einen Kommentar und/oder lese unsere Blogs. Smiley Lass uns reden … Wir kennen die Hintergründe, weil wir die essgestörte Hölle barfüßig durchgelaufen sind. Liegt es nicht näher, sich bei persönlichen Experten zu erkundigen, wenn es Fragen und/oder Informationsdurst gibt?

Gastbeitrag

Du möchtest gern einen Gastbeitrag bei mir veröffentlichen? Oder ich darf auf deiner Seite einen Gastbeitrag verfassen? Sehr gern, schreibe mich einfach an. Meine Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Zwinkerndes Smiley Ich freu mich … Smiley

Hab eine tolle restliche Woche und sei dir gewiss… Man kann alles im Leben schaffen und noch viel mehr, wenn man sich nicht aufgibt.

Handlettering

PS: Ich finde Julias Handlettering ganz toll. Schenk ihr ganz unverbindlich einen Like. Sie freut sich und vor allem motiviert es sie, am Ball zu bleiben. Du kennst es doch von dir. Smiley Manchmal braucht die Seele ein Streicheln in Form eines anerkennenden Kommentars oder eben einen Like oder gern beides. Zwinkerndes Smiley

PPS: Das PräventionsbuchEssstörungen – Was ist dasim Handel erhältlich. Smiley

Essstörungen - Was ist das?

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11 Gedanken zu “Fehlschlüsse von Menschen mit Essstörungen

  1. Noch einmal Danke, dass du mir die Möglichkeit gegeben hast hier einen Gastbeitrag zu verfassen! ❤ Ich war seit ich deinen Blog gefunden habe, davon überzeugt, dass du ganz tolle und wichtige Arbeit leistest. Ich bin gespannt, was wir in der Zukunft noch alles so starten, gerne auch zusammen ;).

    Liebe Grüße
    Julia

    Gefällt 2 Personen

  2. Wie gewohnt muss ich auch hier meinen Senf dazugeben.
    Ich denke, dass du Julia deine Essstörung mal außen vorlässt und mal was ganz anderes tust bzw. denkst, um sie besser in den Griff zu kriegen, eh du dich in deine Essstörung komplett verrennst.
    War nur so`n Gedanke von mir.
    Auf jeden Fall bist du auf dem richtigen Weg dahin!!
    LG
    Jürgen aus Loy

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Jürgen,
      danke für deine Gedanken.
      Jedoch verrennt Julia sich nicht in ihre Essstörung, sondern zeigt offen und ehrlich, wie eine Essstörung denkt und fühlt. Für Außenstehende ist dies nur sehr schwer nachvollziehbar. Deshalb erzählen wir von unseren Erfahrungen, auch um Aufklärungsarbeit zu leisten.
      Einen schönen Abend für dich und liebe Grüße
      Michaela

      Gefällt 1 Person

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