Essstörung – 3 tolle Äußerungen

Kommunikation ist wichtig. Ohne jegliche Sprache wäre eine Existenz unmöglich. Jeder sendet verbale und non-verbale Signale. Die direkteste Form einer verbalen Kommunikation, ist logischerweise das miteinander Reden – in welcher Form auch immer. Im heutigen (modernen) Zeitalter reden wir hauptsächlich schriftlich. Dank WhatsApp, Facebook und vielen weiteren Messenger-Diensten, ist eine Rund-Um-Kommunikation mittlerweile Alltag.

Obwohl das miteinander (nicht übereinander) Reden sehr wichtig ist, ist es nicht automatisch ohne Fallstricke. Besonders in der Kommunikation mit der Essstörung liegt der Teufel im Detail. Es ist eine Gradwanderung zwischen Verständnis und Missverständnis.
Ich könnte jetzt mit dem Sender-Empfänger-Modell, von dem du garantiert schon mal was gehört hast, um die Ecke kommen. Tue ich aber nicht. Mithilfe 3 Beispiele verdeutliche ich dir, wie es bei mir war.

1. “Boar, du siehst aber gut aus!”

Erinnerst du dich an meinen letzten Blogartikel, in dem ich dir von meiner Freundin berichtete, die mir ein Kompliment machte? Jetzt bin ich dazu in der Lage, auch das ehrliche Kompliment zu erkennen und ohne Zweifel anzunehmen.
Vor 6 Jahren hätte diese Äußerung ein Gedankenkarussell in Gang gebracht. Die ehrlichen Worte hätte ich sofort negativ ausgelegt. “Scheiße, ich bin hässlich wie eine Vogelscheuche. Sie will mich bloß nicht verletzen. Wahrscheinlich denkt sie, ich kann die Wahrheit nicht
(v)ertragen. Vielleicht denkt sie auch, ich bin ganz schön fett geworden. Ach, alles nur Höflichkeitsfloskeln.”
Es war für mich ein Zwiespalt. Einerseits: “Ich möchte hübsch und attraktiv aussehen.” Anderseits: “Ich möchte aber nicht, dass die anderen denken, mit mir ist alles wieder in Ordnung, nur weil ich in Therapie war.”

2. “Du hast zugenommen. Die paar Kilos mehr stehen dir verdammt gut!”

Im Jahr 2009 war ich 6 Wochen nach einer schweren (essstörungsunabhängigen) Erkrankungen in einer Rehaklinik. Dort nahm ich, trotz täglich mehrmaligen Erbrechens, zu. Ich war mir dessen aber nicht bewusst. Die Klamotten passten nach wie vor und eine Waage gab es nicht. Ich war mit meinem einjährigen Sohn, dem Klinikalltag und des Fernstudiums komplett ausgefüllt.
Als ich wieder Zuhause war, traf ich mich mit einem Freund zum Quatschen. Das erste was er sagte, war: “Du hast zugenommen. Die paar Kilos mehr stehen dir verdammt gut!
Ich dagegen verstand: “Du fette Kuh, solltest mal weniger essen, sonst gleichst du bald einem Wasserball!”
Der eine Satz reichte aus, um meiner Essstörung mehr Beachtung zu schenken. Die Folge, ich verlor schnell wieder an Gewicht.

3. “Jetzt isst du ja wieder normal.”

Nach meiner dreißigwöchigen Therapieauszeit wechselte ich 2002 die Ausbildungsrichtung von Informatikkauffrau zur Kauffrau für Bürokommunikation. In einer Medizintechnik durfte ich meine Praktika absolvieren. Natürlich musste ich meinen Ausbildungswechsel und die lange Auszeit erklären. Ich sagte meinem damaligen Chef, an was ich leide und warum ich so viele Wochen pausierte.
Seine Reaktion:Jetzt isst du ja wieder normal, somit ist alles wieder im Lot.”
Ich erwähnte mit keiner Silbe, dass ich wieder normal esse und dass ich, auch nach den Wochen intensiver Therapie, täglichen Heißhungerattacken mit anschließenden Erbrechen ausgeliefert war. Er hörte Therapie und dachte sofort an Heilung und Friede-Freude-Eierkuchen.

Egal wie positiv eine Äußerung formuliert wird, eine essgestörte Person hört das, was sie – besser gesagt: die Essstörungen – hören möchte. Die Essstörung dreht dem Informationsempfänger sozusagen das Wort im Munde um. Das passiert automatisch und ohne es anfangs beeinflussen zu können.
Genau das, machte eine Kommunikation mit Essgestörten so schwierig. Außenstehende können nicht abschätzen, was tatsächlich beim Gegenüber ankommt und was ein gut gemeinter Satz schlimmstenfalls auslösen kann.
In meinem präventiven Buch: Essstörungen – Was ist das | Ein ABC der Magersucht, Ess-Brech-Sucht und Essanfallstörung – gehe ich etwas intensiver ein. Es erscheint am 15.10.2017 im dielus editions-Verlag.

Kommunikation

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