“Gut siehst du aus!”

Da bin ich wieder. Zurück aus meinem wohlverdienten Urlaub. Schnell vergingen die Tage, die zur Abwechslung mal nicht mit dem Themenschwerpunkt Essstörung gefüllt waren. Dennoch waren sie – die Magersucht und Bulimie – indirekt mit dabei. Dessen war ich mir anfangs gar nicht bewusst, denn ich lebe ein glückliches Leben, losgelöst von den essgestörten Fängen.

“Mensch, du siehst richtig gut aus.”, sagte meine Freundin zu mir, die ich in der zweiten Urlaubshälfte oben an der Nordseeküste besuchte.
“Nicht so abgemagert wie früher.”
Ihre positiven Worte nahm ich so an, wie diese tatsächlich gemeint waren – als Kompliment. Ich interpretierte nichts darein, so wie zu meinen schlimmsten Zeiten. Nein, ich freute mich sogar ehrlich über ihre Wahrnehmung. Ich möchte gesund und nicht mehr so extrem dünn aussehen.
Beides habe ich geschafft. Das bestätigte sie mir mit diesem kurzen Satz. Viele Jahre kennen wir uns und viele Jahre liegt zwischen unserem letzten Treffen. Von dem her …
Jedoch denkt nicht jeder in meinem privaten Umfeld so über mich. Ich schenke den Äußerungen: “Iss doch mal mehr! Du bist eklig knochig” oder “Du bist nach wie vor hochgradig essgestört!” kaum Aufmerksamkeit. Trotzdem treffen mich diese Sätze.
Jemand, der den glücklichen Umstand genießt, nie im Bann einer Essstörung gewesen zu sein, kann die Kraft nicht nachvollziehen, die ich in den letzten 5 Jahren gebraucht habe, um nicht mehr zu hungern, maßlos zu essen und mich im Nachgang erbrechen zu müssen.
Meiner Freundin wurde genau das von einer dritten Person, vor meinem Besuch, gesagt.
Ihr ganzer Präventionsquatsch und Ernährungsgeheule kann nicht funktionieren, denn sie ist noch mitten im Geschehen. Schau sie dir an, wie schlecht sie aussieht und du verstehst, was ich meine.
Tja und dann stand ich mit Kind und Kegel vor der Tür. In einem ganz anderen Zustand, wie sie erwartet hatte. Ich, nicht mehr untergewichtig, habe “normal” gegessen, war im Anschluss nicht auf Toilette und ich bewegte mich nicht übermäßig. In einer ruhigen Minute, nachdem sie ihre eigenen Beobachtungen vertraute, lenkte sie das Gespräch auf das Thema.
Die Äußerung dieser Person beschäftigt mich noch immer, auch wenn es mir egal sein sollte. Ich weiß, dass ich nicht lüge und ich weiß, was ich in den letzten Jahren geschafft habe. Essstörungen sind nach wie vor ein Randthema, welches belächelt und nicht so ernst genommen wird, wie ich es für notwendig erachte.
Außenstehende haben gut reden und machen dadurch das Kraut fetter, als es bereits ist. Prävention und Aufklärung müssen betrieben werden, denn eine solche Aussage kann schlimme Folgen haben. Essgestörte wissen genauestens Bescheid, aber das soziale Umfeld nicht. Dort setze ich mit meiner Erfahrung an, auch wenn der Weg mit Unterstellungen gepflastert ist.
Hast du ähnliches erlebt?

Was jemand über dich denkt

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