Magersucht – N wie neulich

Magersucht oder in der Fachsprache Anorexia nervosa genannt, ist eine nicht zu unterschätzende Suchterkrankung. Personen, die daran erkranken, verändern sich im Laufe der Zeit enorm. Nicht nur körperlich, sondern auch geistig findet eine totale Wesensveränderung statt. Neulich erlebte ich eine typische Magersucht-Situation, die mir die Schwere dieser Essstörung für alle Beteiligten deutlich vor Augen führte. Ich kann mich noch gut an meine Hungerzeiten erinnern.
Meine Hauptgedanken galten dem Essen und dem Rückgängigmachen. Erst durch langanhaltende Hunger- und Sportphasen. Später dann durch regelmäßiges Kotzen, natürlich in Verbindung mit alltäglicher Nahrungsverweigerung. Ich litt in jungen Jahren hauptsächlich an der bulimischen Form der Magersucht, dem sogenannten Purging-Typ.
Die Abschiedsjahre waren geprägt von der Bilderbuch-Bulimie. Mein Gewicht stieg je nach Gefühlslage an oder sank ab, aber nicht wieder ins Untergewicht.
Ich war sehr darauf bedacht, das das therapeutische Umfeld von mir denkt, ich kämpfe hart gegen die Essstörung. Dem späteren sozialen Umfeld machte ich vor, ich habe die Essstörungen besiegt.
Die Wahrheit lag genau dazwischen. Ich kotzte einerseits bewusst weiter, weil ich es als Ventil brauchte. Andererseits weil mir die Fressflash´s und das Hungern total gegen den Strich gingen.
Zu meinen mageren Zeiten sah ich die Welt mit anderen Augen. Viele logische Zusammenhänge verstand ich nicht mehr. Diverse Situationen konnte ich einfach nicht wie eine erwachsene Frau betrachten. Meine Gehirnleistung degradierte mich mit Anfang 20 zu einem zehnjährigen Mädchen. Das war mir in dem Moment natürlich nicht bewusst. Erst neulich, als ich mit einer ähnlichen Situation konfrontiert wurde, erinnerte ich mich an mein Verhalten. Es war nicht gleich, aber ähnlich.
Magersucht ist dermaßen bestialisch, dass ein Verständnis des Umfeldes aus bleibt. Warum sollte eine Außenstehender auch Verständnis für eine dürre Person haben, die sich unheimlich dick findet? So was ist verdammt schwer, um nicht zu behaupten: unmöglich.
Habe ich dafür Verständnis? Sagen wir es mal so, ich kann die Beweggründe verstehen, denn ich habe es selbst durchlebt. Jedoch distanziere ich mich ganz klar von dem Verständnis, es gutzuheißen.
Wer leben möchte, muss essen – das ist Fakt. Extrem Magersüchte spielen mit ihrem Leben. Das Schlimme ist, je tiefer die Betroffenen gesunken sind, desto weniger sind sie bereit Veränderungen für eine Gewichtszunahme aktiv anzugehen. Eine Ausrede jagt oft die nächste.
Achtung: Ich ziehe nicht alle über einen Kamm. Es gibt immer solche und solche! Nur weil es bei einigen so abläuft, heißt es nicht automatisch: Es ist generell so.
Ich berichte von meinen eigenen Erfahrungen, die diverse Verhaltensähnlichkeiten bestätigen. Aber ich erlebe auch regelmäßig Situationen in meinem beruflichen Alltag, die mich – bedingt durch mein Hintergrundwissen – in meine Vergangenheit katapultieren bzw. Abweichungen der “essgestörten Norm” erkennen lässt. Ich weiß zwar wie sich Essstörungen anfühlen, aber ich weiß auch, dass das Leben zum Leben da ist.
Mein Anliegen ist, dass das Umfeld endlich die Augen öffnet, um Essstörungen bereits im Vorfeld den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Deshalb erscheint mein Aufklärungsbuch am 15.10.2017 im dielus edition-Verlag. Das Datum hat sich doch noch mal verschoben, was nicht schlimm ist. Die Hauptsache ist, ich kämpfe aktiv und nachhaltig mit den Steinen, die für mehrere Wege ausreichen, gegen die perfiden Essstörungen.
Wenn du mich unterstützen magst, sehr gern. Ich freue mich darauf.
Ach, ich habe jetzt auch bei Youtube einen Kanal. Jeden Dienstag veröffentliche ich ein kurzes Video. Schritt für Schritt optimiere ich meine Prävention, wenn auch nicht alles sofort perfekt ist. Wenn du magst, abonniere mich und wir tun gemeinsam etwas Gutes.

Der erste Schritt ist der schwerste, aber auch der wichtigste.

4 Gedanken zu “Magersucht – N wie neulich

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