Essstörung – S wie Sucht

Wenn du den Begriff “Sucht” hörst oder liest, an was denkst du zuerst? Drogensucht? Alkoholsucht? Spielsucht? Handysucht? Zigarettensucht? Oder an eine andere Sucht, wie Sexsucht oder Kaufsucht?

Vor ein paar Tagen führte ich ein sehr interessantes Telefonat zu diesem Thema, welches mir wieder mal ein Stück die Augen öffnete – hinsichtlich der Unwissenheit im Bereich “Essstörungen”.

Auch wenn der Begriff “Sucht” ausschließlich bei Magersucht auftaucht, gehören alle Formen der Essstörungen zu den stoffungebundenen Süchten.  Ess-/Brechsucht enthält die Bezeichnung ebenfalls, allerdings ist diese den meisten als Bulimie bekannt.

Stoffgebunde vs. stoffungebundene Süchte

Warum sind Essstörungen stoffungebunden? Ohne Lebensmittel funktionieren Essstörungen doch gar nicht?!

Auch ich kam zuerst völlig durcheinander mit den Begrifflichkeiten. Für einen Drogensüchtigen ist bspw. das Heroin die Droge, ohne die er in seinem Leben nicht mehr auskommt. Für mich waren es Nahrungsmittel, vor allem die hochkalorischen. Mal völlig davon abgesehen, dass ohne Essen kein Lebewesen überlebt. Ohne typische Drogen ist ein “normales” Leben durchaus keine Seltenheit.

Essstörungen (Magersucht, Ess-/Brechsucht, Essanfallsstörung) sind durch zwanghafte Verhaltensweisen, wie extrem hungern, oder exzessiv Fressen gekennzeichnet. Deshalb werden diese den stoffungebundenen Süchten zugeordnet. Das Belohnungszentrum im Kopf einer essgestörten Person reagiert dagegen ähnlich, wie bei stoffgebundenen Abhängigen:

  • Heroin
  • LSD
  • Crystal Meth
  • Nikotin
  • Alkohol

Suchtartiges Verhalten

Außenstehende können sich es nur schwer vorstellen, wenn Essen/Fressen und Hungern zur Sucht wird. Die tägliche Konfrontation mit den Mahlzeiten ist für Essgestörte die Hölle. Einerseits, weil sie nichts runterbekommen aus Angst an Gewicht zuzulegen, oder weil sie befürchten eine Fressattacke auszulösen.

Eine Fressattacke, die auch Magersüchtige erleben können, ist heimtückisch. Ein kleiner zaghafter Bissen, ein sanfter Geruch oder der Anblick eines leckeren Lebensmittels kann den Ausbruch begünstigen. Lange Hungerphasen wecken ebenfalls die Gier, die nicht aufzuhalten ist. Bei Essstörungen konkurrieren Kontrolle und Kontrollverlust in extremen Ausmaßen miteinander.

Hunger wie auch Fressen können kurzzeitig berauschend und befreiend wirken. Jedoch hinterlässt der Aufprall in die Realität kurz darauf tiefe seelische und gesundheitliche Wunden. Essstörungen gehören zu den Süchten. Deshalb muss auch in diesem Bereich umfassende Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Happy Kalorie geht an direkt an Schulen und redet unverblümt über die Facetten aller Essstörungsformen. Noch steht Happy Kalorie am Anfang mit der Prävention, aber jeder noch so kleine Schritt ist wichtig.

Wenn du weißt, welche Schule an so einer Präventionsveranstaltung interessiert ist, lasse es mich bitte wissen. Smiley Nur weil Essstörungen auf den ersten Blick nicht erkennbar sind, heißt es noch lange nicht, dass keiner davon betroffen ist.

Prävention ist ein Muss und dafür setze ich mich mit Happy Kalorie ein.

Siehe auch: Essanfallsstörung – X wie angefiXt

Sucht

4 Gedanken zu “Essstörung – S wie Sucht

  1. Mensch oh mensch, oh mensch!
    Ihr brockt Euch ja ordentlich was ein!
    Löffelt Ihr denn sooo gerne aus!? 😉
    Wenn man bedenkt, dass Ihr mal genau solche Affen wart wie wir und ebenso wunderbar problemlos und paradiesisch lebtet wie wir heute noch, kann man sich nur wundern, dass Ihr Euren Unsinn auch noch ‚Fortschritt‘ und ‚Zivilisation‘ nennt! 🙂
    Dennoch liebe paradiesische Grüße!

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    • Dein anderer Blick darauf ist durchaus interessant. Nur mit dem Unterschied, dass man sich eine Essstörung nicht einbrockt und wir garantiert früher auch keine Affen waren. Die Evolution ist das eine, psychische Erkrankungen und Süchte, das andere. Keine Ahnung, woher du die Behauptung nimmst, dass wir – ich nehme an du meinst mit „Ihr“ alle Essgestörten – uns mit Fortschritt und zivilisierten Verhalten brüsten. Nichts dergleichen greife ich auch nur ansatzweise auf. Was du liebevoll als Unsinn bezeichnest, ist eine schwerwiegende Erkrankung, von der du zum Glücken meilenweit entfernt bist.
      Dennoch, vielen Dank für deinen konstruktiven und kreativen Kommentar.
      Paradisische Grüße zurück. 🙂

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      • Ich meinte ‚Ihr Menschen‘, liebe Happy Kalorie!
        Denn ich erlaube mir einen etwas breiteren Blick. Und deshalb habt ‚Ihr Menschen‘ Euch Eure Süchte und Probleme natürlich selber eingebrockt und wart – als Menschheit – natürlich auch mal Affen.
        Klar sind Süchtige bedauernswerte Opfer denen geholfen werden muss. Genauso aber müssen künftige Opfer verhindert werden. Deshalb meine Hinterfragung Eures Fortschritts und die Posulierung unseres Paradieses.
        Affen- Umarmung

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      • Ich hoffe, du gehörst auch zu den Menschen. 😉 Keiner ist vor Süchten gefeit, sei es Alkohol, Zigarette, Heroin oder eben Fressen und Hungern. Ganz weit ausgeholt, muss ich dir recht geben – diese Art der Probleme sind von Menschenhand gemacht. Jedoch wo willst du anfangen? Wo schließt sich der Kreis? Schau in die Geschichte zurück… Menschen können so grausam sein. Oftmals sind es kleine Kettenreaktionen. Warum flüchten sich Menschen in Süchten? Aus einer unbedachten Handlung, wird ein großes Problem, welches dich aufzufressen droht.
        Glaube mir, egal welche Sucht, es ist die Hölle, aus der man es nicht allein herausschafft. Aber wenn man es einmal geschafft hat, so wie ich, kann man diese Erfahrung positiv nutzen. Post tenebras lux – Nach der Dunkelheit das Licht.
        Der Fokus meiner Arbeit liegt in der Aufklärung und somit auch in der Prävention, um dieser Problematik einen Atemhauch entgegenzuwirken. Affen hin – Mensch her… 😉 Die Probleme sind da und bedürfen einer Lösung im Hier und Jetzt. Abschließend: Essstörung sind einerseits ein Problem der westlichen Welt, der Überflussgesellschaft. Anderseits wurde bereits im 9. Jahrhundert ein essgestörter Fall in Bayern dokumentiert. Früher war es die religiöse Askese und heute kommen viele andere Belastungen hinzu. Gründe und Ursachen sind sehr vielfältig.
        Viele Grüße ins Paradies, in dem hoffentlich nicht nur Affen Zuhause sind 🙂

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