Essanfallsstörung: Z wie Zurückhaltung

Ich war ungefähr bis zu meinem achten Lebensjahr esssüchtig, ohne dass ich mir über meine Figur und Erscheinung einen Kopf machte. So manche Beleidigungen und Kritik meiner Familie versteckte ich in meiner Fettschicht.

Welche Meinung hast du über Menschen mit Übergewicht? Ist es für dich ein ausschlaggebendes Kriterium, ob du jemanden sympathisch findest? So manche Vorurteile beißen sich regelrecht in manchen Köpfen fest. Ich gehe sogar soweit und behaupte, dass ist menschlich.

Ich war nicht übergewichtig im bekannten Sinne, eher stämmig. Sobald es ans Essen ging, konnte ich nicht genug haben. Oftmals schmerzte mir mein Magen, so voll war ich, aber es ein Nachschlag passte immer hinein.

Es gab Zeiten, an denen aß ich nicht so viel. Allerdings durfte ich erst vom Tisch aufstehen, wenn der Teller leergegessen war. Also zwang ich mir alles rein und quälte mich dann mit der Verdauung. In dem Alter registrierte ich langsam, dass dünnere Gleichaltrige als hübscher empfunden werden und beliebter waren. Ich dagegen gehörte zu den Außenseitern.

Schon als Kind war ich anders. Heute denke ich, es lag an meinem schüchternen, zurückhaltenden Auftreten und stellenweise provozierte ich bereits als junges Mädchen mit meinen Äußerungen. Natürlich nicht bewusst. Ich war ohne Wurzeln, ohne familiären Halt. Und so wankte ich durch den Tag, immer auf der Suche nach Bestätigung. Letztendlich fand ich diese nur im Essen.

Um meine Pausenbrote und generell um meine Essensversorgung, musste ich mich zu neunzig Prozent selbst kümmern. Was ich alles in mich hineinstopfte, interessierte keinen. Nach der Schule saß ich fressend vor dem Fernseher und wartete bis der Tag zur Neige geht.

Irgendwann im Laufe meines achten Lebensjahres, fiel mir eine Kochzeitschrift in die Hände, in dem es um Diäten ging. In mir klackte ein Relais und löste eine Erkenntnis aus. „Dich mag keiner, weil du zu fett bist!“

So gut es ging, versuchte ich das unkontrollierte Fressen sein zu lassen. Viele Anläufe waren notwendig, denn ich gab meinen Schutzpanzer nur ungern her. Für einen kurzen Augenblick gelang es mir, meine Zurückhaltung zu verdrängen und tat viel, um angenommen zu werden. Letztendlich versuchte ich mir Freunde zu erkaufen, was dauerhaft nach hinten losging.

Meine kindliche Welt war ein Scherbenhaufen. Egal was ich tat, ich schnitt mich überall. Die ersten Suizidgedanken (mit 9 (!) Jahren) keimten in mir auf. Ich wollte nicht mehr leben. Ich wollte so nicht mehr leben. Mein Gewicht wechselte stetig. Hunger- und Fressphasen gaben sich die Klinke in die Hand.

Über mein Essverhalten machte ich mir zu dem Zeitpunkt keine Gedanken. Ich wollte eine von den anderen sein. Ich wollte dazugehören. Aber ich gehörte einzig und allein zur Zurückhaltung, die sich nach ein paar Monaten in Form einer handfeste Magersucht und Bulimie neben mir setzte, um mir in meiner Einsamkeit beizustehen.

Essen kann so viel mehr sein

Essen ist ein

  • Freund.
  • Tröster.
  • Liebhaber.
  • Zuhörer.

Mein Anliegen

Weil das Thema Essstörung kaum Beachtung findet und noch immer gern weggesehen wird, greife ich es auf. Essstörungen können jeden betreffen. Ich weiß wovon ich rede und schreibe. Kein Lehrbuch kann meine Erfahrung vermitteln. Die Theorie ist das eine, das Ausdrücken der selbst erlebten Essstörungshölle das andere.

Wie sagte einst Konfuzius:

Vergangenheit

Prävention ist ein Muss!

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