Magersucht: Z wie zuckerfreie Lebensmittel

Essen, der ganze Tag dreht sich nur ums Essen. Für einige unbewusst und für andere wiederum sind die ungewollten kulinarischen Gedanken eine Bürde. Essen ist ein fester Bestandteil in jedem Leben, denn ohne Essen – kein Leben.

In meinen mageren Zeiten kochte ich gedanklich weniger vor Wut, sondern eher unzählige Menüs. Ein deftiges Schnitzel, mit – in Butter geschwenktes – Mischgemüse und Pommes. Oder eine Schokosahnetorte mit Krokant. Wenn ich an einem halben Knäckebrot kaute, stellte ich mir manchmal vor, ich esse einen fettigen Big Mäc. Wie gern, hätte ich all die leckeren Dinge gegessen. Aber es ging nicht. Es ging einfach nicht. Meine Speiseröhre war die meiste Zeit zugeschnürt. Kein Wassertropfen hätte durchgepasst.

Ganz ohne Essen ging es dann doch nicht. So viel Vernunft konnte ich zwischendurch aufbringen. Alles, was mir zum Essen angeboten wurde, analysierte ich nach Fett- und Zuckergehalt, sowie Kalorien. Kohlenhydrate waren zu damaliger Zeit völlig egal. Zum Glück, denn sonst wäre ich garantiert auch diesem fatalen Trend aufgesessen.

Mein Speiseplan erlaubte nur Wasser, schwarzen Kaffee ohne Ende, ein trockenes Knäckebrot, einen Apfel oder ein Stück Gemüse, an guten Tagen einen 0,1 %igen Joghurt oder eine zuckerfreie Süßigkeit pro Tag. Das Rauchen lenkte mich überwiegend vom Hungergefühl ab. Ich ging morgens nie ohne einen Pott, zu dem ich genüsslich eine rauchte, außer Haus. Mit neun Jahren rauchte ich die erste Zigarette und ab ca. elf/zwölf dann regelmäßig. Es war ein liebgewonnenes Ritual.

In der Öffentlichkeit aß ich kaum. Ich konnte es nicht ertragen, wenn mir beim Essen zugeschaut wurde, oder ich andere essen sah. Mich ekelte das regelrecht an. Ausreden, um mich vorm Essen zu drücken, hatte ich ausreichend im Petto. Die Kilos schwanden, ich wurde zusehends dünner und trotzdem fühlte ich mich fett.

Das Gefühl in einem, was dir immer wieder sagt: „Du bist so verdammt hässlich und dermaßen fett, dass dein Fettreserven locker für ein Jahr reichen!“, ist so schmerzhaft, dass es einem schier den Atmen nimmt. Dieses Gefühl reißt dich bei lebendigen Leib in tausend Stück. Die verschobene Wahrnehmung unterstützt die Verweigerung des Essens. Es geht soweit, dass irgendwann kaum noch was gegessen werden kann, selbst wenn man wöllte, weil der Magen streikt.

Magersucht ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Völlig davon abgesehen, dass Anorexia nervosa nicht schön anzuschauen ist, kann diese schwere gesundheitliche und gesellschaftliche Folgen nach sich ziehen. Aufklärung und Prävention bringen Klarheit und meine Erfahrung im Bereich der Essstörung unterstreichen den Fakt, dass es ein Leben danach gibt. Noch besser ist es, erst gar nicht in das tiefe Loch einer Essstörung zu fallen.

Prävention ist ein Muss.

Verweigerung

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