Kohlenhydrat-Panik

Der Begriff “Kohlenhydrat” zählt mittlerweile zu den schlimmsten Schimpfwörtern überhaupt. Kein, aber auch wirklich gar kein gutes Haar wird in der heutigen Ernährungsära am Kohlenhydrat gelassen. Kohlenhydrate gelten als absolut desaströs. LowCarb dagegen – das ultimative Abnehmwunder.

Doch ist das wirklich so?

Eine Ernährung ohne Kohlenhydrate bzw. eine kohlenhydratarmer Lebensstil ist nur bedingt möglich. Mal ganz von der Einseitigkeit abgesehen. Kannst du dir vorstellen, dich ausschließlich von:

  • Wasser
  • bestimmten Obst- und Gemüsesorten
  • Käse
  • Fleisch
  • Fisch
  • Geflügel
  • Kräuter
  • Fette, Öle
  • Pilze

zu ernähren? Kein deftiges Brot. Kein leckeres Eis. Kein Sonntagskuchen. Keine Schoki. Es stimmt, es gibt Unmengen von Ersatzprodukten und eine Vielzahl von LowCarb-Rezepten, die sich derzeit größtmöglicher Beliebtheit erfreuen. Durch den LowCarb-Hype entwickelte sich eine richtige Kohlenhydrat-Panik.

Doch wofür sind Kohlenhydrate eigentlich gut?

Allein unser Gehirn und unsere Nerven benötigen pro Tag ca. 120 Gramm Kohlenhydrate. Das enthält – rein auf die Kohlenhydratmengen umgerechnet – ungefähr:

  • 200 Gramm Haferflocken oder
  • 300 Gramm Vollkornbrot oder
  • 400 Gramm gekochte Nudeln

Ohne dem kann unser Gehirn gar nicht richtig arbeiten. Es ist quasi auf diese Energiequelle angewiesen. Denke einfach mal an Dextrose, welches bei Prüfungen oder sonstigen Denkausgaben Wunder bewirken sollte. Zumindest wurde das früher gern behauptet. Daran ist tatsächlich etwas Wahres dran. Gut, wenn kein Wissen vorhanden ist, hilft auch Traubenzucker nicht viel. Zwinkerndes Smiley

Einfach- und Zweifachzucker

Kohlenhydrate werden im Verdauungstrakt in Einfachzucker (Glukose) aufgespalten. Grob ausgedrückt, versorgt Einfach- und Zweifachzucker den Körper schnell mit Energie. Zuckerhaltige Lebensmittel und Weißmehlprodukte – zum Beispiel – lassen den Blutzuckerspiegel rasant ansteigen – ein Energieschub.

So schnell die Energie dem Körper zur Verfügung steht, so schnell sinkt anschließend der Blutzuckerspiegel –  durch eine hohe Insulinausschüttung – wieder ab. Oftmals entsteht kurz darauf neuer (Heiß)Hunger. Ganz unabhängig davon, ob die Glukosespeicher in der Leber bzw. in den Muskeln leer sind oder nicht.

Viele Kalorien sagen also nichts über eine langanhaltende Sättigung aus. Wird nun neue Energie zugeführt, obwohl keine gebraucht wird, landen diese Kohlenhydrate im Fettspeicher – quasi als Reserve für schlechte Zeiten.

Komplexe Kohlenhydrate (Polysaccharide)

Deswegen sind komplexe Kohlenhydrate, wie Vollkornprodukte und Getreideflocken, deutlich günstiger für den Körper. Denn diese Energie steht dem Körper langsam zur Verfügung. Der Blutzucker steigt nicht rapide an und fällt auch nicht kurz darauf wieder in sich zusammen. Durch diesen moderaten Blutzuckeranstieg und Insulinausschüttung, bleiben wir länger satt und vom Heißhunger weitestgehend verschont.

Ist wie mit Papier

Ein dünnes Blatt ist schnell zerrissen, während eine dicke Pappe schon mehr Zerreißaufwand benötigt. Die Zusammensetzung von beiden Materialien ist ähnlich, aber ihr Stabilität ist unterschiedlich. Wie die unterschiedlichen Kohlenhydraten, haben beide Papiervarianten eine andere Faserstruktur.

Nicht alle Kohlenhydrate sind schlecht

Es fatal zu behaupten, dass alle Kohlenhydrate per se schlecht sind. Eine radikale Umstellung auf eine kohlenhydratarme bzw. -freie Ernährung kann lebensgefährlich werden. Wer diesen Ernährungsstil tatsächlich in Betracht zieht, sollte deshalb zwingend darauf achten, die Kohlenhydrate langsam zu reduzieren, um Folgeschäden einer Ketose zu vermindern.

Was ist Ketose?

Das zur Verfügung stehende Fett wird in sogenannte Ketonkörper umgewandelt und steht dem Körper in dieser Form als “Treibstoff” bereit. Nur Kohlenhydrat kann in Glukose umgewandelt werden. Wenn aber keins da ist, muss sich unser Körperwunderwerk anders helfen.

Randinformation: Das Gehirn benötigt ca. 2-3 Tage, bis es die Ketonkörper als Energielieferant akzeptiert.

Ist ein Kohlenhydratverzicht sinnvoll?

Kohlenhydrate sind ein fester Bestandteil im Stoffwechsel, zusammen mit den zwei anderen Makronährstoffen: Proteine und Fette. Wer bei den Kohlenhydraten spart, verhindert so gesehen eine effektives Zusammenspiel zwischen Eiweißen und Fetten, welche für den Muskelaufbau sowie Muskelerhalt erforderlich sind. Die Folge –> Gewichtsabnahme.

Eine kohlenhydratfreie/kohlenhydratarme Ernährung ist auf Dauer ungesund und vor allem einseitig.  Der Verzicht verschiedenster Lebensmittel, kann letztendlich zu Mangelerscheinungen führen. Es fehlen schlicht und ergreifend lebensnotwendige Nähr- und Ballaststoffe, die ebenfalls ihre Daseinsberechtigung haben.

Die Defizite können nicht mit Tabletten und Pülverchen ausgeglichen werden. Zwar verspricht die Industrie das dem abnehmwilligen Kunden, aber rein medizinisch sind diese Thesen nicht tragbar.

Mal ehrlich:

Nicht ohne Grund befinden sich bestimmte Nährstoffkombinationen in den unterschiedlichsten Lebensmitteln. Über Nebenwirkungen und Dosierung braucht man sich bei einem Apfel keine Gedanken machen (Allergien und Unverträglichkeiten außen vor). Bei Nahrungsergänzungsmitteln, die chemisch hergestellt werden, schon.

Warum stellen wir heutzutage alles in Frage?

Durch die neuen ernährungswissenschaftlichen und pseudowissenschaftlichen Erkenntnisse? Warum verfolgen alle einen Trend, der an sich völlig kontraproduktiv ist? Überall wird nach “Gesundheit” geschrien und “durchtrainierte Körper” propagiert. Plastikverpackte Bioprodukte duellieren sich mit künstlichen Light-/Wellnesslebensmitteln, während das mit Glyphosat gezüchtete Junk-Food breit grinsend am Rand applaudiert.

Fazit

Eine gesunde Ernährung beinhaltet eine Mischung aus pflanzlichen und tierischen Produkten, die in einem natürlichen Maß alle essentiellen Makro- und Mikronährstoffe enthalten. Auch Kohlenhydrate sind wichtig. Wie überall, ist das Maß entscheidend.

Auch in der Ernährung ist ein Schwarz-Weiß-Denken nicht wirklich sinnvoll. Über den Tellerrand schauen und Abwechslung machen doch das Essen bunt. Oder wie siehst du das? Smiley

Spruch3

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