Ess-/Brechsucht: L wie Lust

Letzten Donnerstag erzählte Limi von einer Essattacke, die in der Regel bis ins Detail geplant werden. Das bedeutet, dass sie nicht nur gezielt einkaufen geht, sondern auch ihre alltäglichen Pflichten danach ausrichtet. In der Öffentlichkeit isst sie nur wenig bis gar nichts. Was keinem zu stören scheint, denn Limi ist ständig auf Diät.

Im Vergleich zu Rexi, die an Magersucht leidet, isst Limi sehr gern. Sie könnte den ganzen Tag nur essen. Aber ständig essen, macht fett. Tja und genau das will Limi nicht. Einerseits hat sie es satt, immer auf all die Leckereien zu verzichten, anderseits will sie um keinen Preis der Welt an Gewicht zulegen. Ihre äußerliche Erscheinung ist Limi verdammt wichtig. Alles muss picobello aussehen. Makeup und Mode passen stets perfekt zusammen. Selbst die kleinsten Makel werden nicht geduldet.

Was tun, wenn man gern und viel isst? Jawohl, kotzen. Als Limi auf die Idee des Kotzens kam, hatte sie anfangs gedacht, sie habe etwas Einzigartiges erfunden. Fressen bis nichts mehr reinpasst und danach bis zur totalen Erschöpfung kotzen. Das freiwillige Kotzen kann in keiner Hinsicht mit dem krankhaften Erbrechen verglichen werden. Limi hat Spaß am Fressen und am Kotzen. Sie tut es mit Genuss und Leidenschaft. Ihre Anfälle kann sie oftmals gar nicht erwarten. Sie freut sich darauf, auch wenn sie es im Nachgang immer wieder bitter bereut.

Fressen und Kotzen ist eine Sucht. Mittendrin einfach aufhören, geht nicht. Selbst die nächste Attacke kann nicht ohne weiteres weggelassen werden. Ein Ding der Unmöglichkeit. Wie sich ein Alkoholiker an die Schnapsflasche klammern muss, muss sich ein Bulimiker regelmäßig über der Kloschüssel aufhalten.

Anfangs können die Fressanfälle unregelmäßig, neben den gewohnten Mahlzeiten, auftreten. Die Stufe, bis zum alltäglichen Muss, ist sehr klein. Nicht selten treten Attacken bis zu 20 Mal pro Tag auf. Wobei hier jeder Bulimiker seinen eigenen Rhythmus hat. Irgendwann bleibt auch die gewohnte Mahlzeit nicht mehr drin und alles wird erbarmungslos ausgekotzt. Fressanfall hin, Fressattacke her. Auch wenn zu Beginn immer die Lust und das unbändige Verlangen steht, bleibt hinterher nur ein blutroter Faden übrig, aus dem das Selbstvorwürfe- und Verzweiflungskorsett strickt wird.

Für Außenstehende klingt all das pervers und abartig. Genau diese äußerlichen Eckpunkte einer Bulimie verstärken das Schamgefühl der Betroffenen. Ja, das lustvolle Kotzen ist alles andere als sympathisch, aber in dem Moment die einzige Möglichkeit, um nicht zu platzen. Achtung! Einem Bulimiker das Essen wegzunehmen, damit er nicht mehr kotzen kann, ist keine Lösung. Nur mit Hilfe einer geeigneten Therapie, können die tiefen Beweggründe einer Ess-/Brechsucht behandelt werden.

erwarten

Wie es weitergeht

nächsten Donnerstag – 07.07.2016 – M wie Minderwertigkeitskomplex

Auszug aus meinem eBook-Ratgeber: Der Horror des Essens – Vom Genuss Bis(s) zur Essstörung

Smiley Happy Kalorie ist auch bei Facebook Smiley KLICKGefällt mir Zwinkerndes Smiley

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s