Ess-/Brechsucht: K wie Kotzen, Kontrollverlust

Essattacken werden in der Regel von Betroffenen bis ins Detail geplant. Das bedeutet, dass sie nicht nur gezielt einkaufen gehen, sondern ihre alltäglichen Pflichten danach ausrichten. In der Öffentlichkeit wird nur wenig bis gar nichts gegessen. Alle erdenklichen Ausreden kommen in den verschiedensten Varianten zum Vorschein. Allerdings erlangen sie keine besondere Beachtung, denn es ist ja bekannt, dass die Person eine Diät macht.

Geburtstagsfeiern oder sonstige Feierlichkeiten sind für Betroffene ein Grauen. Wenn auch noch ein Büfett aufgebaut ist, wird es besonders brenzlig. Entweder gelingt es, die Kontrolle zu behalten oder eine Attacke gewinnt die Überhand. Dann bleibt nur der schnelle Gang auf die Toilette, um sich heimlich zu übergeben.

In einer Heißhungerattacke ist die Aufnahme von 2.000 bis 10.000 Kalorien keine Seltenheit. Denn es werden vor allem die Nahrungsmittel verschlungen, die sie sich im Normalfall strikt verbieten. Jeder definiert einen Essanfall auch unterschiedlich. Eine Person stopft sich nur einmal voll und erbricht anschließend, während eine andere wiederum über mehrere Stunden immer wieder größere Mengen isst und sich zwischendurch immer wieder entleert. Abführmittel, Appetitzügler und Diuretika werden unterstützend eingenommen. Es gibt unterschiedliche Methoden, den Anfall wieder ungeschehen zu machen. Einige Bulimiker erbrechen nicht, sondern nehmen ausschließlich Abführmittel.

Der Non-Puring-Typ unterscheidet sich hiervon. Statt hemmungslosen Erbrechens wird extrem Sport getrieben und/oder zusätzlich einige Tage nichts oder nur sehr wenig gegessen. Diese Form ähnelt der bulimischen Form der Magersucht.

Limi berichtet:

Vorher:

Endlich habe ich meine Ruhe. Ich habe mich schon den ganzen Tag darauf gefreut. Zwar wollte mich meine Mutter heute zum Essen einladen, aber ich habe sie davon überzeugt, dass wir es ein anderes Mal nachholen.

Vorhin war ich noch schnell einkaufen. Hoffentlich war es nicht zu offensichtlich? Manchmal denke ich, dass die Kassiererin weiß, dass die Sachen kurz darauf im Klo landen. Es war ein Spießroutenlauf durch die ganzen Regale. Am liebsten hätte ich gleich dort alles in mich hineingestopft. Wenn ich eine Nacht im Supermarkt eingeschlossen wäre, würde ich von allem mal probieren und mich wie die Made im Speck fühlen.

Heute gönne ich mir einen großen Topf extra weichgekochter Nudeln mit ganz viel Sahnesoße. Ein bisschen Gemüse habe ich mir zum Schein auch noch gekauft. Aber darauf habe ich heute keinen Hunger. Zum Nachtisch gibt es drei superleckere Schokoladentafeln und ein paar Tüten Gummitiere. Wenn es mir dann immer noch nicht reicht, habe ich mir noch einen großen Eimer Schokopudding mitgebracht. Auf Kekse und Brot muss ich heute verzichten. Mein Hals ist noch von gestern ganz entzündet.

Ich fühl mich schon ganz zittrig vor Freude. Jetzt geht’s los.

Währenddessen:

Die Nudeln sind sehr heiß, aber das stört mich nicht. Erst esse ich langsam. Nebenbei läuft der Fernseher. Das vermittelt mir das Gefühl der Normalität. Je länger es dauert, desto schneller esse ich, bis ich dann komplett die Kontrolle verliere und alles gierig verschlinge. Die 500 Gramm Nudeln schaffe ich nicht mit einem Mal. Zusammen mit der Soße wird mein Magen sehr schnell voll. Wenn ich Oberkante Unterlippe bin, stürze ich aufs Klo. Kopf über in die Schüssel, Mund auf, leicht in die Knie gehen und dann spüre ich, wie der warme Brei die Speiseröhre hinauf rutscht und anschließend ins Klo plätschert. Ich massiere meinen Bauch, würge etwas, damit auch alles rauskommt. Dann drücke ich die Spülung, drehe mich um und setze mich wieder an den Tisch, um den Topf endgültig zu leeren.

Von Nudeln habe ich erstmal genug. Jetzt stopfe ich mich mit Süßigkeiten voll und dann ist Schluss.

Anschließend:

Ich bin fix und fertig. Naja, wenigstens ist jetzt alles alle und ich habe nichts mehr zu essen in der Wohnung. Meine Augen sind rot unterlaufen und mein Hals ist eine reine Magensäurerutsche. Keine Ahnung, ob ich alles erbrochen habe. Zum Schluss kam nur noch Magensäure. Das ist am schlimmsten. Ich esse erstmal nichts mehr. Hab mir sicherheitshalber noch ein paar Abführpillen eingeworfen. Schon allein deswegen, weil ich derzeit fast täglich kotze. Morgen steht Sport auf dem Plan. Ich hänge einfach eine Extraeinheit ran. Mir tut jetzt alles weh. Mein Gesicht ist übelst aufgedunsen. Hoffentlich ist bis morgen alles wieder weg.

Warum tue ich mir das immer wieder an? Das ist doch bescheuert! Scheiß-Fresserei! Ich hab‘s so satt. Das war‘s, zumindest für heute.

Kotzen

Wie es weitergeht

nächsten Donnerstag – 30.06.2016 – L wie Lust

Auszug aus meinem eBook-Ratgeber: Der Horror des Essens – Vom Genuss Bis(s) zur Essstörung

🙂Smiley Happy Kalorie ist auch bei Facebook 🙂 Smiley KLICK – Gefällt mir Zwinkerndes Smiley😉

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