Magersucht: K wie Körperschemastörung

Du kennst doch die Spiegel, die das eigene Spiegelbild in sämtliche Richtungen verzerren.  Du siehst dich und weißt, dass du dich nicht realistisch siehst.

Kannst du dir vorstellen, dass es Menschen gibt, die das glauben, was sie im Spiegel sehen? Klar, wirst du jetzt sagen. Kannst du dir auch vorstellen, dass eine dürre Person in den Spiegel hineinschaut und sie darin nur einen fetten Klumpen sieht? Sie ist felsenfest davon überzeugt, dass es sich hierbei wirklich um sie handelt. Denn, wenn sie in den Spiegel schaut, kann nicht auf einmal eine wildfremde Person herausglotzen. Nein? Doch, das gibt es und ist mitnichten eine Seltenheit. Drogen und sonstige psychische/neurotische Erkrankungen lasse ich in diesem Beispiel außen vor.

Magersucht hat das Ziel, schnell ganz viel an Körpergewicht zu verlieren. Durch Hungern und sportliche Betätigungen purzeln die Pfunde. Irgendwann sind die Reserven aufgebraucht. Der Körper braucht aber Energie, um zu leben. Also, was tun? Mittlerweile hat der Körper es gecheckt, dass nur minimal gegessen wird und deswegen extrem wenig Brennstoff zur Verfügung steht. Der menschliche Körper ist schlau und lässt sich nicht so schnell ins Bockshorn jagen. Damit alles ein Stückweit wie gewohnt weitergehen kann, schaltet er nach einer kurzen Zeit das Energiesparprogramm an.

Sämtliche Körperfunktionen arbeiten nur noch auf Sparflamme, auch das Gehirn. Dadurch entsteht das Phänomen, dass die eigene Körperwahrnehmung richtiggehend verzerrt wird. Ein Spinatknochen blickt in den Spiegel und eine Fettschwarte grinst zurück. Ganz schlimm, denn Magersüchtige glauben das, was sie sehen und lassen sich nicht vom Gegenteil überzeugen.

Zusammenfassung: Wie entwickelt sich eine Körperschemastörung

Die Körperschemastörung ist eine Falschwahrnehmung des eigenen Körpers. D.h. essgestörte Personen empfinden sich trotz Idealgewicht als massiv übergewichtig. Sie sehen sich selbst komplett verzerrt und völlig realitätsfremd. Der Bezug zum eigenen Körper fehlt. Andere Menschen sehen die Betroffenen so wie sie sind, nur sich selber nicht.

bloggahontas.wordpress.com „Der Spiegelzwilling“:

(…) „Jetzt war ich so richtig in Fahrt. “Oh nein, jetzt rede ich und jetzt lässt du mich ausreden!“ Ich zog mein Shirt hoch. “Hier mein Bauch, ein einstiger Fettschwabbel. Mit meinen Oberschenkeln geht´s gleich weiter. Die sind völlig frei von Kontur. Da hat eine Kuh anmutigere Stelzen wie ich.“ Ich war nicht mehr zu halten. “Ha, meine Füße erst! Na die sind genauso furchtbar, wie das gesamte Geschwabbel an mir. Viel zu groß! Geschmackvolle Schuhe sind bei diesen Quadratlatschen undenkbar. Sieh mich doch einfach an! Nichts, aber auch gar nichts ist an mir schön!“ (…)

Ein klarer Moment

Rexi war die Person, die in diesen Spiegel schaute:

(…) Für einen kurzen Moment überkam sie so etwas wie ein Geistesblitz. Rexi betrachtete sich ausgiebig im Spiegel, und was sie sah, gefiel ihr nicht. Aus dem Spiegel blickten ihr fahle Augen entgegen, die von tiefen, grauen Augenringen umrahmt wurden. In der Mitte des bleichen Gesichtes klebte eine Nase, die ihr spitzer denn je erschien. Der Mund mit seinen blass roten Lippen schien fehl am Platz zu sein.

Mit eiskalten Fingern schälte sich Rexi aus ihrer Kleidung, um den restlichen Körper zu betrachten. Dort, wo sich einst das befand, was man einen großen Vorbau nennt, hingen nun zwei kleinere Hautlappen runter. Der Bauchnabel lag versunken im weggehungerten Bauchfett, die Rippen zeichneten sich deutlich ab. Zusammen mit den heraus stehenden Hüftknochen rundeten sie den knochigen Oberkörper ab.

Ohje, ihre Beine. Selbst wenn Rexi mit geschlossenen Beinen dastand, klaffte ein immer größer werdender Spalt zwischen den Oberschenkeln. Die von jeher zu großen Füße wirkten ausgelatscht. An den Seiten baumelten dünne Ärmchen herunter, an denen knochige Hände mit abgemagerten Fingern hingen.

Sie erkannte sich nicht mehr. Die Waage im Fitnessstudio zeigte mittlerweile 48 kg an. Ups, wollte Rexi nicht bei 55 kg aufhören? Ihr wurde Himmelangst. Ihr Leben hatte sich geändert, aber nicht so, wie Rexi es sich immer erträumt hatte. Trotz Untergewicht lag ihr die Welt nicht wohlwollend zu Füßen. Im Gegenteil, jede Bewegung kostete sie überdimensionale Energie. Selbst das Atmen schien sie manchmal zu überfordern.“

Spiegelbild

Wie es weitergeht

nächsten Mittwoch – 29.06.2016 – L wie langsames Essen

Auszug aus meinem eBook-Ratgeber: Der Horror des Essens – Vom Genuss Bis(s) zur Essstörung

🙂Smiley Happy Kalorie ist auch bei Facebook 🙂 Smiley KLICK – Gefällt mir Zwinkerndes Smiley😉

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